Berlins heiße Mitte - Exkursion zu den Startups der Hauptstadt

Eine Exkursion bei Start Ups, Inkubatoren und Innovation Labs

Eine Fahrradrampe im 7. Stock? Bei der Mozilla Foundation ganz normal: Hier, in Berlins heißer Mitte, kommen die meisten Mitarbeiter mit dem Rad – logisch, dass man das nah am eigenen Büro haben will – zumal dann, wenn sich dort über die Jahre auch noch eine Fahrradwerkstatt etabliert hat ... Ja, Mozilla, das Unternehmen aus Orlando, das sich für ein freies, sicheres Internet einsetzt (und u.a. den Browser „Firefox“ entwickelt), ist ein etwas anderer Arbeitgeber. Apropos „eigenes Büro“: Gibt es nämlich auch nicht. Beziehungsweise: nur temporär. Wer sich zurückziehen will und genug hat vom Panoramablick über Ostbahnhof, Spreeside und Innovation-Center aller Art, hat dazu viele Möglichkeiten. Aber eben nur: manchmal. Sonst setzt das Unternehmen auf Gemeinsinn. Auch, wenn die vielen kleinen Kinder der Mitarbeiter mal wieder Rotznasenalarm auslösen: Kränkelnde oder von KiTa-Streiks erwischte Kinder können einfach mitgebracht werden. Für derlei Notfälle gibt es wiederum ein offenes Büro mit viel Spielsachen – und ein paar Schreibtischen drumrum: So sind Mutter oder Vater buchstäblich standby.

Und der Alltag: entwickeln, programmieren, verbessern. In internationalen Teams arbeiten, weltweit vernetzt. Und das neu erworbene Wissen allen zur Verfügung stellen. Wer mag, kann dem hoch spezialisierten Team von Mozilla jeden Mittwochabend auf die Pelle rücken – mit eigenen Fragen und Ideen. Umgangssprache hier, wie nahezu überall: Englisch.

David, Gründer von  Art Night

David, Gründer von Art Night

Die Studierenden des Masterstudiengangs „Crossmedia and Communication Management“ erlebten bei ihrem zweitägigen Berlin-Trip eine Vielzahl innovativer, erfolgreicher und „krasser“ Unternehmen: Vom Kunst-Start-Up „Art Nights“ über den Büroteiler „We Work“ bis zum „Start Up-Incubator“ in verlassenen Siemens-Werkhallen Immer sind Ideen gefragt, ist aber auch enormer Arbeitseinsatz und Gemeinsinn am Werk.  „Na ja, so bis abends um zehn oder elf kann das schon gehen“, bekennt etwa David von Art Nights, dessen Geschäftsidee es war, Restaurantbesuchern kleine, kurzweilige Kunst-Workshops anzubieten: „Für alle Pärchen, die nicht den ganzen Abend reden wollen – aber auch nicht zwei Stunden im Kino nebeneinander herschweigen.“ Nach zwei Jahren ist das StartUp rentabel. Aus 2 wurden 37 Mitarbeiter. Wirtschaftswissen plus Kreativität und Teamgeist, das sind die Geheimnisse – und keine Angst vor ungewöhnlichen Maßnahmen.

All das bekamen die Studierenden gleich am Anfang eingetrichtert: Zwei junge Dozenten überraschten Carina Schmihing, Uljana Fedis, Eduard Ebel und die sechs anderen mit einem Workshop in Sachen „Lean Start Ups“ – die neueste Entwicklung im Bereich Design Thinking.  Jan-Felix Schneider, Data Science Specialist von der Columbia University, New York, und Yulia Smotrova, Managerin eines internationalen Innovation Labs aus Moskau, entwickelten Ideen und Prototypen in 180 Minuten. In diesem Tempo ging es weiter – und selbst das Abendessen beim gemütlichen Vietnamesen stand im Dienst des Design Thinking: Der Berliner Founder Jan Kroschinski reflektierte zwischen Mango-Milch und Frühlingröllchen kritisch über Nutzen und Gemeinwohl von Start Ups.

Rosie  von WeWork.

Rosie von WeWork.

Gut, dass man auch mal entspannen konnte: Als die Britin Rosie von der Coworking Community We Work in den 20. Stock des Gebäudes am Potsdamer Platz führte und von da auf die Dachterrasse mit dem überwältigenden Blick, - tja, da hat der gute alte Gründergeist (neudeutsch: Start Up Mentality) wohl auch noch den letzten Zögerlichen erwischt.

Die Ideen, die nun entwickelt werden, sollen beim „Starters Summit“  in Bielefeld vom 5.-7. April zum Tragen kommen. Die Professoren Gabriela Jaskulla und Patrice Kunte machen sich auf einiges gefasst: vor allem auf kreative Ideen und hoffentlich regen Andrang.